Holzbleistifte

Schwan Othello 581

Ein wei­te­rer Notiz­blei­stift von Schwan war der 1930 vor­ge­stellte Othello 581.

Schwan Othello 581

Der Kata­log von 1938 führte ihn gleich zwei­mal auf, und zwar in der Rubrik „Othello“, der 1898 ein­ge­tra­ge­nen Marke, und unter „Spe­zi­al­stifte, Scho­ner­stifte, Notiz­stifte“1. Mit 87 mm war der Othello 581 etwas län­ger als der STABILO 8024, aber mit 4,2 mm2 genauso dick wie die­ser. Als Beson­der­heit hatte er einen gold­far­be­nen Ring und eine Tauchkappe.

Diese Notiz­blei­stifte waren dazu gedacht, in den Rücken von Kalen­dern und Notiz­bü­chern gesteckt zu wer­den; daher ihre geringe Dicke und Länge. Man­che hat­ten eine soge­nannte Tel­ler­kap­sel, die das Durch­rut­schen des ein­ge­steck­ten Stifts ver­hin­derte (siehe „Memo­ran­dum“).

Schwan Othello 581

Der Othello 582, auf den hier ver­wie­sen wurde, war ein 14 cm lan­ger und 6 mm dicker Notiz­blei­stift, der in vier Far­ben (hell­grün, rot, hell­blau und orange) erhält­lich und eben­falls mit Gold­ring und wei­ßer Kappe ver­se­hen war. – Spit­zer für Stifte mit die­sen gerin­gen Durch­mes­sern nannte der Kata­log nicht.

Schwan Othello 581

1940 wurde der Othello 581 wie­der aus dem Sor­ti­ment genommen.

  1. Es fällt auf, dass die Abbil­dun­gen im Kata­log die Kenn­zeich­nung „BAVARIA“ zei­gen, auf dem Blei­stift aber „GERMANY“ steht. Gab es viel­leicht unter­schied­li­che Vari­an­ten?
  2. Die im Kata­log ange­ge­be­nen 3,8 mm bezeich­ne­ten offen­bar die Schlüs­sel­weite.

Kurz und knapp

Noch kür­zer als die­ser Bei­trag ist der STABILO 8024, den Schwan in den 1930er Jah­ren als Notiz­blei­stift ange­bo­ten hat.

Kurz und knapp

Er ist 84 mm kurz, 4,2 mm dick und hat eine etwa 1,5 mm dünne Mine. Beein­dru­ckend, dass sogar ein Prä­ge­druck mög­lich war!

Tag des Bleistifts

Heute ist der Tag des Blei­stifts1, und zu die­sem Anlass hat mir mein Leser Chris­tof eine kleine Klapp­karte geschickt.

Tag des Bleistifts

Die Karte haben er und seine Toch­ter Lisa gestal­tet, und ich finde sie sehr gelun­gen. Vie­len Dank an beide, auch für die lie­ben Worte in Innern der Karte!

  1. Bis­her wusste ich nur vom „Natio­nal Pen­cil Day“ der USA, aber es sieht so aus, als wäre dar­aus der Inter­na­tio­nale Tag des Blei­stifts gewor­den. Wer den wann und zu wel­chem Anlass fest­ge­legt hat, weiß ich aller­dings nicht.

ATLAS

Aus der hier bereits in Aus­schnit­ten gezeig­ten Bro­schüre von J.S. STAEDTLER des Jah­res 1933: Der Schul- und Zei­chen­stift ATLAS.

ATLAS

Die Marke „ATLAS“ wurde 1896 ein­ge­tra­gen, und der gleich­na­mige Blei­stift war bis min­des­tens 2010 erhältlich.

Ich wüsste gerne, warum es den ATLAS in zwei Pro­fi­len gab. Wollte man nur eine grö­ßere Viel­falt anbie­ten oder hatte es kon­krete Gründe?

Pentel Black Polymer 999

Die Blei­stift­mine, wie wir sie heute ken­nen, hat der Fran­zose Nicolas-​Jacques Conté im Jahr 1795 erfun­den1. Er war der erste, der den Gra­phit mit Ton und Was­ser mischte, dar­aus die Minen presste und diese dann brannte2. Damit wurde es auch mög­lich, den Här­te­grad zu steu­ern – je höher der Gra­phit­an­teil, desto wei­cher die Mine.

Gut 150 Jahre danach suchte man nach einem Ver­fah­ren, um sehr dünne, bruch­sta­bile Minen für mecha­ni­sche Blei­stifte her­zu­stel­len. Erfolg hatte schließ­lich das im Jahr 1946 gegrün­dete japa­ni­sche Unter­neh­men Dai-​Nihon Bungu Kabu­shiki Kai­sha, das sich 1971 den Namen Pen­tel gab und 1960 die Poly­mer­mine auf den Markt brachte3. Diese Mine, die als Bin­de­mit­tel Poly­mere4 statt Ton ent­hält, wird eben­falls gebrannt, wobei ein Teil der Poly­mere kar­bo­ni­siert5, d. h. in Kohle umge­wan­delt wird, was zur Schwär­zung bei­trägt6.

Neben ihrer hohen Bruch­fes­tig­keit hat die Poly­mer­mine noch wei­tere Vor­teile gegen­über der kera­mi­schen, denn sie glei­tet leich­ter, schreibt sau­be­rer, ist spar­sa­mer und schwärzt stär­ker. Sie wird inzwi­schen von allen gro­ßen Her­stel­lern ange­bo­ten und ist in den Durch­mes­sern von 0,2 bis 1,3 mm und den Här­te­gra­den 4H bis 4B erhältlich.

Pentel Black Polymer 999

19867 brachte Pen­tel eine Beson­der­heit auf den Markt, und zwar den holz­ge­fass­ten Blei­stift Black Poly­mer 999 mit einer 2 mm star­ken Poly­mer­mine8. Die­ser Blei­stift wurde offi­zi­ell nur in Japan ver­kauft und ist hier­zu­lande kaum bekannt. Es gab ihn 25 Jahre; 2011 endete die Produktion.

Pentel Black Polymer 999

Der Black Poly­mer 999 war in min­des­tens fünf Vari­an­ten erhältlich:

  1. PBP 999, erste Aus­füh­rung (CB100; schwar­zer Lack, matt; JIS-​Logo9) 1986–?
  2. PBP 999, zweite Aus­füh­rung (CB100; schwar­zer Lack, matt; Bar­code und GTIN) ?–2011 (4B–2H)10
  3. PBP 999 (CB1; tür­ki­ser Lack, glän­zend; Namens­feld, Hiragana/​Kanji11, Farb­co­die­rung12) ?–2011 (2B–HB)
  4. PBP 999 α (CB200; schwar­zer Lack, glän­zend; JIS-​Logo, graue Kunst­stoff­kappe) 1987–2000
  5. PBP 999 α (CB201; Klar­lack, glän­zend; JIS-​Logo, braune Kunst­stoff­kappe) 1989–?

Die Ver­pa­ckung des Pen­tel Black Poly­mer 999 mit schwar­zem Lack gab es in zwei Vari­an­ten. Die erste war eine trans­pa­rente Box, in der das Dut­zend durch ein U-​förmiges und mit Kar­ton umge­be­nes Schaum­stoff­stück gehal­ten wurde; die hier gezeigte Falt­schach­tel ist die zweite Vari­ante. – Beide Aus­füh­run­gen des Pen­tel Black Poly­mer 999 α kamen in einem schwar­zen bzw. brau­nen (α) Kunst­stoff­tray, der in einer fla­chen Falt­schach­tel steckte.

Im Gegen­satz zu den ers­ten drei haben die α-​Varianten einen Tauch­ring, eine Kunst­stoff­kappe und die Härtegrad-​Angabe auf allen statt nur auf zwei Flä­chen. (Den Craft Design Tech­no­logy item 1713 könnte man trotz sei­nes abwei­chen­den Namens als sechste Vari­ante bezeich­nen, denn auch die­ser hatte eine Poly­mer­mine und kam von Pen­tel14. – Im Fol­gen­den ein nähe­rer Blick auf die zweite Variante.

Pentel Black Polymer 999

Der Black Poly­mer 999 ist 7,8 mm dick15 und 178 mm lang; die α-​Variante misst sogar 180 mm. Sein Holz (Weihrauch-​Zeder) lässt sich sehr gut spit­zen, ist aber nicht von der bes­ten Qua­li­tät, denn manch­mal reißt es im Hand­spit­zer trotz schar­fem Mes­ser leicht aus. Durch die bruch­feste Mine lässt sich sogar der Black Poly­mer 999 2B16 im Faber-​Castell Janus 4048 pro­blem­los in Form bringen.

Lei­der ist das Finish nur mit­tel­mä­ßig: Der matte, recht dünne Lack zeigt einige Unre­gel­mä­ßig­kei­ten und wird durch den Gebrauch des Stifts glän­zend. Auch der sil­ber­far­bene Prä­ge­druck könnte bes­ser sein; in man­chen Fäl­len hat er kleine Lücken (die Ver­ar­bei­tungs­qua­li­tät der α- und der tür­ki­sen Vari­ante ist deut­lich höher, wobei letz­tere den bes­ten Ein­druck macht). Das ist schade, denn mir gefällt die Gestal­tung, beson­ders wegen „BLACK POLYMER“ in der Euro­stile von Aldo Nova­rese (1962) und „999“ in Dot-​Matrix-​Optik17.

Die Abstu­fung der Här­te­grade ist unge­wöhn­lich. Wäh­rend HB, B und 2B etwa dem jeweils nächst­wei­che­ren Grad beim STAEDTLER Mars Lumo­graph 100 ent­spre­chen (also B, 2B und 3B), so ist der Black Poly­mer 999 H für einen japa­ni­schen Blei­stift ver­gleichs­weise hart und eher mit dem STAEDTLER Mars Lumo­graph 100 H ver­gleich­bar. Der Här­te­grad des Black Poly­mer 999 α HB über­rascht, denn er ent­spricht etwa dem STAEDTLER Mars Lumo­graph 100 F. Die α-​Variante unter­schei­det sich also von der nor­ma­len nicht nur im Finish, son­dern auch in der Mine.

Pentel Black Polymer 999

Aus dem Pentel-​Katalog des Jah­res 2008

Die Schreib­ei­gen­schaf­ten sind her­vor­ra­gend: Die imprä­gnierte18, außer­or­dent­lich bruch­sta­bile Mine glei­tet sehr leicht, hat eine sau­bere Abgabe, schwärzt her­vor­ra­gend und ist sehr gut radier­bar. Auch im Ver­brauch schlägt die Poly­mer­mine die kera­mi­sche; ich habe den Ein­druck, als würde sie etwa 1,3- bis 1,5-mal so lange hal­ten. So behält der Blei­stift auch seine Spitze länger.

Die Wisch­fes­tig­keit kann ich nur schwer beur­tei­len, hängt sie doch vom Här­te­grad, dem Schreib­druck, dem Papier und dem Andruck beim Wischen ab. Pen­tel Japan gab damals an, dass die Par­ti­kel im Black Poly­mer 999 gleich­mä­ßi­ger geformt seien und daher bes­ser am Papier haf­ten, aber ich habe nicht den Ein­druck, als sei die Mine wisch­fes­ter als die ande­rer hoch­wer­ti­ger Blei­stifte. – Bei wei­che­ren Gra­den und glat­ten Papie­ren kann man das ganz leichte und für die Poly­mer­mine typi­sche Anhaf­ten der Mine spü­ren, aber das stört mich nicht.

Pentel Black Polymer 999

Da Pen­tel mei­nes Wis­sens keine eigene Holz­blei­stift­fer­ti­gung hatte, habe ich ver­sucht her­aus­zu­fin­den, wer den Black Poly­mer 999 her­ge­stellt hat. Zwei mit dem japa­ni­schen Schreib­wa­ren­markt sehr Ver­traute haben mir bestä­tigt, dass der Stift nicht von Pen­tel stammt, doch bei der Mine waren sie sich uneins – der eine meinte, sie käme von Pen­tel, und der andere gab an, dass sie von einem Zulie­fe­rer stamme. Dies muss aber kein Wider­spruch sein, denn in die­ser Bespre­chung ist zu sehen, dass sich die Minen der ers­ten und der zwei­ten Vari­ante unter­schei­den. Es wäre also gut mög­lich, dass die Pro­duk­tion zwi­schen­durch gewech­selt hat; wer betei­ligt war, weiß ich jedoch lei­der bis heute nicht.

Pentel Black Polymer 999

Zur­zeit gibt es min­des­ten drei holz­ge­fasste Blei­stifte mit Poly­mer­mine, und zwar den Eye­ball Olen Mark Sheet, den Kut­suwa HiLine Oren­pitsu und den Kut­suwa Hoku­sign. Man sagte mir, dass Kut­suwa die Blei­stifte nicht sel­ber her­stelle, aber Eye­ball eine Fer­ti­gung habe. Eye­ball gehört zur Ori­en­tal San­gyo Co., Ltd., die 1953 als Ori­en­tal Pen­cil Co., Ltd. gegrün­det wurde. Die­ses Unter­neh­men stellt Koh­len­stoff­pro­dukte und Gra­phit­pul­ver her und seit 1961 auch Bleistift- und Farb­mi­nen (Ori­en­tal ist zudem Teil der Tokai Car­bon Co., Ltd.). Es wäre also denk­bar, dass Ori­en­tal San­gyo Minen für Eye­ball her­stellt und Eye­ball Blei­stifte an Kut­suwa lie­fert.– Es fällt auf, dass sich unter der far­bi­gen Lackie­rung des Hoku­sign und des Oren­pitsu ein sil­ber­ner Lack fin­det, der dem des Olen Mark Sheet bemer­kens­wert ähn­lich ist (aber das muss nichts heißen).

Pentel Black Polymer 999

Der Pen­tel Black Poly­mer 999 ist heute nur noch sehr schwer zu bekom­men (und wenn, dann nicht sel­ten für das zehn­fa­che sei­nes ursprüng­li­chen Prei­ses oder im Fall des 999 α für wesent­lich mehr), doch die oben genann­ten Blei­stifte von Eye­ball und Kut­suwa sind wür­dige Nachfolger.

Nach­trag vom 22.10.23: Hier die Dut­zend­pa­ckung des Pen­tel Black Poly­mer 999 α.

Pentel Black Polymer 999

Pentel Black Polymer 999

Pentel Black Polymer 999

Nach­trag vom 10.12.23: Eine Anzeige für den Pen­tel Black Poly­mer 999 α.

Pentel Black Polymer 999

Nach­trag vom 10.2.24: Eine Anzeige für den Pen­tel Black Poly­mer 999 sowie eine wei­tere für die beson­dere Aus­füh­rung des Pen­tel Black Poly­mer 999 α (CB201).

Pentel Black Polymer 999

Zu die­ser Anzeige heißt es in „Pen­tel Black Poly­mer 999“ im Web­log pen­cils and other things19 (wie konnte ich nur die­sen Bei­trag vergessen?):

Die Kohlenstoff-​Graphit-​Mine hat im Laufe der Zeit ein paar Ver­bes­se­run­gen erfah­ren. Da die Mine 99,9% Mikro­koh­len­stoff­par­ti­kel ent­hält (im Gegen­satz zu den übli­chen 70%), die poly­mer­ge­bun­den sind und eine ein­heit­li­che Form haben, stellte Pen­tel fünf Behaup­tun­gen bezüg­lich ihrer über­le­ge­nen Leis­tung auf (untere Hälfte der Seite):

  1. Er schreibt viel dunk­ler und lässt sich bes­ser kopieren.
  2. Die Mine ist sta­bi­ler und bricht nicht unter Druck.
  3. Sie ist geschmei­di­ger und ermü­det daher auch bei län­ge­rem Schrei­ben nicht.
  4. Die Mine hält ihre Spitze viel län­ger und muss nicht so oft gespitzt wer­den wie andere Blei­stifte. Tests haben gezeigt, dass der Black Poly­mer 999 um ein Drit­tel län­ger hält als seine Kon­kur­ren­ten und daher wirt­schaft­li­cher ist.
  5. Weil die gleich­mä­ßig geform­ten Par­ti­kel bes­ser auf dem Papier haf­ten, gibt es fast kein Verschmieren.

Pentel Black Polymer 999

Nach­trag vom 16.11.24: Es gab auch eine limi­tierte Auf­lage des Pen­tel Black Poly­mer 999 2B vom Tokyo Dis­ney Resort mit ent­spre­chen­dem Auf­druck, aber ohne wei­tere Kennzeichungen.

  1. Zuwei­len wird auch der Öster­rei­cher Joseph Hardth­muth als Erfin­der genannt, doch er hatte die Idee wohl erst drei Jahre nach Conté.
  2. Weil in die­sen Minen der Ton das Gerüst bil­det, spricht man auch von kera­mi­scher Bin­dung.
  3. Dies ist zumin­dest die am wei­tes­ten ver­brei­tete Dar­stel­lung, doch es gibt auch andere. So heißt es in „Dra­wing Instru­ments 1580–1980“ von Maya Ham­bly (Sotheby’s Publi­ca­ti­ons 1988):
    The most recent deve­lo­p­ment in spe­cial dra­wing pen­cils is a pla­s­tic ‘poly­mer’ com­bi­ned with gra­phite to pro­duce very fine leads, only 0.3, 0.5, 0.7 and 0.9 mm thick. Ori­gi­nally deve­lo­ped by Faber-​Castell in the 1950s this pro­cess was soon taken over by a Japa­nes firm, now known as Pen­tel, who spe­cia­lize in a range of fine leads sup­plied for small automatic-​feed clutch pen­cils. There are seve­ral ver­si­ons available, all of which are made with leads in metric thic­k­ness to cor­re­spond to the ink line thic­k­ness pro­du­ced by tech­ni­cal pens. The fine line pen­cils do not require shar­pe­ning and are sui­ta­ble for use on tra­cing paper and poly­es­ter dra­wing film.
    Ich habe Faber-​Castell dar­auf ange­spro­chen, aber noch keine Ant­wort erhal­ten. – In „Der Blei­stift“ von Henry Petro­ski (Birk­häu­ser 1995) fin­det sich:
    Über sech­zig Mil­lio­nen mecha­ni­sche Blei­stifte wur­den jedes Jahr abge­setzt, und der aller­neu­este Ver­kaufs­schla­ger war der Blei­stift mit einer noch fei­ne­ren «fein­li­ni­gen» Mine mit einem Durch­mes­ser von 0,5 Mil­li­me­tern – eine Errun­gen­schaft, die es bei Zei­chen­blei­stif­ten schon seit 1961 gab. Viele der super­dün­nen Blei­stift­mi­nen kamen bald aus Japan, wobei einige einen Durch­mes­ser von nur 0,3 mm hat­ten, aber inzwi­schen beherr­schen die tra­di­tio­nel­len deut­schen Blei­stift­her­stel­ler eben­falls diese Tech­no­lo­gie. Ende der sieb­zi­ger Jahre war Faber-​Castell in Stein bei Nürn­berg das ein­zige Unter­neh­men außer­halb Japans, das die neu­ar­ti­gen Minen in Groß­se­rie und nach eige­ner Rezep­tur her­stel­len konnte. Da kera­mi­sche Minen nicht sta­bil genug sind, um so fein gemacht zu wer­den, waren die neuen Minen nur durch die Bei­mi­schung von Plas­tik in einem Poly­me­ri­sa­ti­ons­ver­fah­ren möglich.
    Aber: Der von mir her­vor­ge­ho­bene Satz ist im eng­li­schen Ori­gi­nal „The Pen­cil“ nicht vor­han­den! – Pen­tel begann mit Minen im Durch­mes­ser von 0,9 mm und bot im sel­ben Jahr, also 1960, den ers­ten Druck­blei­stift dafür an. STAEDTLER folgte 1967 mit der Her­stel­lung von Fein­mi­nen und 1969 mit der von Druck­blei­stif­ten.
  4. In die­sem Fall PVC.
  5. Hier bin ich mir nicht sicher; mög­li­cher­weise wird auch der gesamte Poly­mer­an­teil kar­bo­ni­siert.
  6. Neben den gebrann­ten Poly­mer­mi­nen auf syn­the­ti­scher (PVC) und natür­li­cher Basis (Cel­lu­lose, Lignin) gib es noch unge­brannte wie z. B. im EPCON-​Bleistift und im STAEDTLER WOPEX (heute: Noris eco). – Sowohl das EPCON- als auch das WOPEX-​Patent füh­ren Acrylnitril-​Butadien-​Styrol (ABS) auf.
  7. Diese Jah­res­zahl kann falsch sein, denn ich habe auch mal von August 1987 gehört.
  8. Eigent­lich „Pen­tel BLACK POLYMER 999“, doch im Inter­esse der bes­se­ren Les­bar­keit wähle ich hier die Gemischt­schrei­bung.
  9. Japa­nese Indus­trial Stan­dards. – Diese Vari­ante des Logos wurde bis August 2008 genutzt.
  10. Es kann sein, dass dies die dritte Vari­ante ist und es als zweite eine ohne JIS-​Logo, aber ohne Bar­code und GTIN gab, doch dazu feh­len mir ver­läss­li­che Anga­ben.
  11. かきかた えんぴつ, „kaki­kata enpitsu“, grob über­setzt „Schreiblern-​Bleistift“ (mit die­sem Blei­stift rich­tete man sich an Kin­der). – Zur Bedeu­tung der Kanji-​Zeichen kann ich lei­der nichts sagen.
  12. HB – gelb, B – dun­kel­rot, 2B – rosa.
  13. Nicht zu ver­wech­seln mit dem Nach­fol­ger Craft Design Tech­no­logy item 32, der eine kera­mi­sche Mine hat und von Camel her­ge­stellt wird.
  14. Im gezeig­ten Kata­log­aus­schnitt gibt Pen­tel an, die Tech­no­lo­gie des Black Poly­mer 999 auch im Mark Sheet und im ECB zu nut­zen. Das heißt natür­lich nicht, dass die Minen inden­tisch sind, bestä­tigt aber, dass die genann­ten Blei­stifte eben­falls eine poly­mer­ge­bun­dene Mine haben.
  15. Schlüs­sel­weite 7 mm.
  16. Wei­chere Grade habe ich nicht. – Inter­es­sant zu wis­sen wäre, ob die Minen der Grade 3B und 4B auch 2 mm dick sind.
  17. Ich wüsste gerne, ob es mit der Zahl 999 eine beson­dere Bewandt­nis hat.
  18. Ob eine Mine imprä­gniert ist, kann man leicht fest­stel­len: Man trennt dazu ein Stück Mine aus dem Holz, befreit es von Holz- und Kleb­stoff­res­ten und hält es in eine Feu­er­zeug­flamme. Bei einer imprä­gnier­ten Mine sieht man, wie die Imprä­gnie­rung flüs­sig wird, bevor sie ver­dampf bzw. ver­brennt. Bei einer nicht imprä­gnier­ten Mine sieht man kein Wachs schmel­zen, son­dern nur eine rußige Flamme.
  19. Alle drei Anzei­gen stam­men von der in die­sem Bei­trag ver­link­ten Facebook-​Seite.

STAEDTLER Noris – Die frühen Jahre

Gelb-​schwarzes Strei­fen­mus­ter und far­bi­ges Kro­nenk­äpp­chen – so kennt man den Blei­stift­klas­si­ker Noris von STAEDTLER, den es seit 120 Jah­ren gibt. Doch er hat nicht immer so aus­ge­se­hen, denn die typi­sche Lackie­rung kam 1934 und das Käpp­chen 19551. Einen Ein­druck davon, wie der Noris davor aus­sah, ver­mit­telt eine Bro­schüre aus dem Jahr 19332; hier ein Ausschnitt.

STAEDTLER Noris – Die frühen Jahre

In obi­gem Scan lei­der nicht zu sehen ist die glän­zende Farbe, die für die Dar­stel­lung des Gold- und Sil­ber­stem­pels (heute: Prä­ge­druck) genutzt wurde und in der Schräg­an­sicht am bes­ten zur Gel­tung kommt; daher einige Details im Foto.

STAEDTLER Noris – Die frühen Jahre

„Bil­lige Noris-​Stifte“ klingt heute natür­lich etwas selt­sam, aber damals stand „bil­lig“ für „preis­wert“ und war posi­tiv konnotiert.

Den Noris gab es nicht nur in vier Här­te­gra­den, son­dern auch in drei Pro­fi­len – rund, sechs­eckig und acht­eckig(!)3 – und in bis zu vier Far­ben, die sich nach dem Här­te­grad rich­te­ten oder im Fall des 2784 in zwei wei­te­ren, die nach Wunsch auf­ge­bracht wer­den konn­ten. – Der Begriff „Poli­tur“ geht zurück auf die Zeit vor 1900, als die Spit­zen­blei­stifte einen Schel­lack­über­zug mit Schwermetall-​Farben erhiel­ten und von Hand poliert wurden.

Für mich neu ist die Bezeich­nung „Cedrol­holz“. In der Bro­schüre heißt es: „Cedrol ist das von der MARS-​Bleistiftfabrik Nürn­berg her­ge­stellte, beson­ders leicht spitz­bare Zedern-​Ersatzholz.“5 Dazu wüsste ich gerne mehr!

  1. Wei­tere Details zur Gestal­tung gibt es unter „J.S. STAEDTLER Noris 1100 № 2“.
  2. Der Titel die­ser Bro­schüre ist unter „Der Geist des Gra­phits“ zu sehen.
  3. Mit dem Noris Club maxi gibt (gab?) es heute einen zwölf­sei­ti­gen Noris.
  4. Der Noris 278 wurde in den 1910er Jah­ren ein­ge­führt.
  5. Siehe dazu auch „Blei­stift­höl­zer (6)“.

Bleistifthölzer (6)

Im Kata­log von J.S. STAEDTLER aus dem Jahr 1919 gibt es einige Hin­weise auf die damals genutz­ten Bleistifthölzer.

Bleistifthölzer (6)

Genannt wer­den hier Weiß­holz, Lin­den­holz, Foh­ren­holz und Zeder­ner­satz­holz. Mei­nes Wis­sens bezeich­net „Weiß­holz“ das Holz der Gemei­nen Fichte (Picea abies), doch von der Nut­zung die­ses Baums für Blei­stifte habe ich bis­her noch nicht gehört. Lin­den­holz (Tilia) war im 17. Jahr­hun­dert, als sich in Nürn­berg das Blei­stift­ma­cher­ge­werbe ent­wi­ckelte, die wich­tigste Holz­art für Blei­stifte, denn sie ließ sich gut schnit­zen und wuchs vor Ort. Weil sie preis­wert ist und auch unbe­han­delt genutzt wer­den kann, wird sie heute wie­der gern ver­wen­det. Ich gehe davon aus, dass es sich bei „Foh­ren­holz“ um Kie­fern­holz han­delt (ein ande­rer Name ist „Föh­ren­holz“). Da in Europa die Wald­kie­fer (Pinus syl­vestris) die am wei­tes­ten ver­brei­tete Kie­fern­art ist, denke ich, dass diese gemeint ist1.

Im Kata­log heißt es:

Zeder­ner­satz­holz für Blei­stifte wird aus für die­sem Zweck beson­ders geeig­ne­ten ein­hei­mi­schen und aus­län­di­schen Höl­zern durch beson­dere, in lang­jäh­ri­ger Erfah­rung erprobte Fabri­ka­ti­ons­me­tho­den gewonnen.

Durch sorg­fäl­tige Aus­wahl der Höl­zer und sach­ge­mäße Bear­bei­tung wer­den Qua­li­tä­ten erzielt, wel­chem dem ech­ten ame­ri­ka­ni­schen Zedern­holz in Aus­se­hen und Eigen­schaf­ten so nahe kom­men, daß, zumal für den Laien, kaum mehr ein Unter­schied bemerk­bar ist. Frei­lich läßt sich Zedern­holz fast durch­weg schlech­ter spit­zen als ech­tes Zedern­holz. Zum Anspit­zen von Stif­ten aus Zeder­ner­satz­holz ist daher ein schar­fes, ein wirk­lich guter Blei­stift­spit­zer oder eine zuver­läs­sige Spitz­ma­schine drin­gend erforderlich. 

Leide erlau­ben diese Anga­ben kei­nen Rück­schluss auf kon­krete Holz­ar­ten. Der Hin­weis auf die schlech­tere Spitz­bar­keit könnte jedoch auf här­tere Höl­zer hin­deu­ten, z. B. auf Erle, die wohl auch für den Noris 278 benutzt wurde (der Kata­log gibt für die­sen Blei­stift Zeder­ner­satz­holz an). Erhard Satt­mann nennt in „Vom Faust­keil zum Blei­stift“ (1949) zudem Espe, Pap­pel und Ahorn, doch zumin­dest die Pap­pel ist deut­lich wei­cher und bes­ser spitz­bar2.

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  1. In die­sem Fall wäre der Blei­stift aus Wald­kie­fer im „Swiss Wood“-Set von Caran d’Ache nichts neues, es sei denn, die Neu­heit bestünde in der Behand­lung des Hol­zes zur Ver­bes­se­rung der Spitz­bar­keit. – Infrage käme jedoch auch die Weymouth-​Kiefer (Pinus stro­bus) sein, die heute noch genutzt wird.
  2. Sie gilt heute übri­gens als Billig-​Bleistiftholz.

Bleistifthölzer (5)

Unter dem Namen „ModSharp“ betrei­ben Caran d’Ache und die Höhere Fach­schule für Holz in Biel (Schweiz) seit Anfang 2019 ein Pro­jekt mit dem Ziel, ein in der Schweiz hei­mi­sches Holz nebst Ver­ar­bei­tungs­pro­zess zu fin­den, das für Blei­stifte geeig­net ist. Das Pro­jekt soll im Juni die­ses Jah­res abge­schlos­sen sein. Wei­tere Details lie­fert der ver­linkte Arti­kel „ModSharp bringt mehr Schweiz in den Blei­stift“, erschie­nen im Bie­ler Tag­blatt vom 27.11.20. – Laut „Die Caran d’Ache Saga – Von Genf in die Welt“ von Ralph Brüh­wi­ler will Caran d’Ache bis 2028 20% sei­ner Stifte aus Schwei­zer Holz herstellen.


Das Holz die­ses Wer­be­blei­stifts („Durch-die-Bank-gut.de RUNGE®“) kann ich nicht iden­ti­fi­zie­ren. Es ist ver­gleichs­weise hart, hat kein für mich erkenn­ba­res Aroma und lässt sich in der Gra­nate recht gut spitzen.

Bleistifthölzer (5)

Die Angabe „Zert.-Nr. SGS-​COS-​1579“ auf dem Stift hilft mir auch nicht wei­ter (gut mög­lich, dass hier ein Feh­ler vor­liegt, denn „COC“ – Chain of Cus­t­ody, Pro­dukt­kette – würde bes­ser pas­sen). Kann meine geschätzte Leser­schaft etwas zum Holz und der Kenn­zeich­nung sagen? – Danke an Jean für die­sen Bleistift!


Der Arti­kel „What Wood are Pen­cils Made of?“ bei Pen Vibe schaut auf 14 Höl­zer und deren Eig­nung für Bleistifte.

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