Technik

Büro-​Besonderheiten

Wer einen Zweifach-​Locher mit ver­stell­ba­rem Anschlag auf dem Schreib­tisch hat – sei es zur Deko­ra­tion, als Brief­be­schwe­rer oder gar zum bestim­mungs­ge­mä­ßen Gebrauch – und schon immer mal wis­sen wollte, ob diese merk­wür­dige, aus der Zei­chen­folge „888“ und vier Punk­ten bestehende Kenn­zeich­nung auf der Schie­be­schiene einen Geheim­code oder eine sata­ni­sche Bot­schaft dar­stellt (und warum die­ses Plas­tik­ding da ein­ras­tet), wird hier und jetzt kos­ten­frei aufgeschlaut.

Detail der Anschlagschiene meines Dienst-Lochers Leitz 5008 (altes Modell)

Detail der Anschlag­schiene mei­nes Dienst-​Lochers Leitz 5008 (altes Modell)

Diese kryp­ti­sche Mar­kie­rung ist weder das eine noch das andere, son­dern steht für eine pfif­fige, wenn auch nicht stan­dar­di­sierte Erwei­te­rung der Norm ISO 838. Befin­det sich die Schiene in die­ser Stel­lung, so ermög­licht der Locher das zuver­läs­sige Ein­brin­gen einer für die Ablage des Papiers in man­chen Ord­nern not­wen­di­gen Vierfach-​Lochung. Dazu führt man das Blatt ein­mal mit dem obe­ren und ein­mal mit dem unte­ren Ende des zu lochen­den Rands bis zum Anschlag in das Gerät und locht es in jeder der bei­den Posi­tio­nen. – Die vier Punkte des hier­mit ent­rät­sel­ten Sym­bols reprä­sen­tie­ren natür­lich die vier Löcher und die drei Ach­ten die jeweils 8 Zen­ti­me­ter lan­gen Abstände zwi­schen ihnen.

Spitzentechnik

Spitzentechnik

Mecha­nik im Innern der Kur­bel­spitz­ma­schine Carl Decade DE-​100 (zum Ver­grö­ßern anklicken)

Als inves­ti­ga­ti­ver Blog­ger werde ich nicht müde, mei­nen wer­ten Leser­schaft Ein­bli­cke der nicht all­täg­li­chen Art zu ermög­li­chen. Heute geht es ans Ein­ge­machte ins Innere eines hier oft und gern genann­ten Geräts, und zwar der Kur­bel­spitz­ma­schine Decade DE-​100 des japa­ni­schen Anbie­ters Carl. Gleich zwei­mal, näm­lich sowohl am hei­mi­schen als auch am dienst­li­chen Schreib­tisch ver­tre­ten fräst sie mir täg­lich und uner­müd­lich sau­bere Lang­ko­nen an die unter­schied­lichs­ten Blei­stifte, die bis zu 9 Mil­li­me­tern dick sein dür­fen und scho­nend, da gum­mi­ge­pols­tert gehal­ten wer­den, und lie­fert dabei stets her­vor­ra­gende Ergeb­nisse. Im Bild das Herz der Maschine, die sich mit ihrem Funk­ti­ons­prin­zip nicht von den ande­ren Spitz­ma­schi­nen unter­schei­det, aber sorg­fäl­ti­ger arbei­tet als alle ihre Kon­kur­ren­ten, die mir bis jetzt unter­ge­kom­men sind. – Anlass für die­ses Foto war eine Ergän­zung des Bei­trags über den STAEDTLER WOPEX.

Bleistift-​Blödeleien

Zum „Casual Fri­day“ eine kleine Albern­heit: Ein selbst­ge­schnitz­ter Maus­zei­ger in Form eines Bleistiftstummels.

Nachher Nachher
Vor­her Nach­her

Den mit dem kos­ten­lo­sen Real­World Cur­sor Edi­tor auf die Schnelle zusam­men­ge­pi­xel­ten Zei­ger im .cur-​Format für Win­dows XP und neuer gibt es hier zum Down­load; das Pen­dant mit ana­lo­ger Uhr für die Anzeige wäh­rend hin­ter­grün­di­ger Tätig­kei­ten des Betriebs­sys­tems war­tet dort.

Rohstoff (2)

Rohton aus dem Klingenberger Tonwerk

174 Gramm Roh­ton aus dem Klin­gen­ber­ger Ton­werk (zum Ver­grö­ßern anklicken)

Den sicher größ­ten Fort­schritt bei der Ent­wick­lung des Blei­stifts mach­ten der Fran­zose Nicolas-​Jacques Conté und der Öster­rei­cher Joseph Hardt­muth nahezu gleich­zei­tig. Ende des 18. Jahr­hun­derts ver­misch­ten beide den gemah­le­nen Gra­phit mit Ton und Was­ser, form­ten die Mischung zu Minen und brann­ten diese (der Ton bil­det dabei das Gerüst der Blei­stift­mine, in das sich die Gra­phit­teil­chen ein­la­gern). Dadurch wurde die Her­stel­lung von Blei­stif­ten in ver­schie­de­nen Här­te­gra­den mög­lich und zudem die Aus­nut­zung des Gra­phits verbessert.

Die Qua­li­tät des Tons – geringe Korn­größe und hohe Bin­de­fä­hig­keit – ist daher neben der des Gra­phits für den Blei­stift von ent­schei­den­der Bedeu­tung. Ein beson­ders hoch­wer­ti­ger Ton nicht nur für die Blei­stift­in­dus­trie kommt seit 1742 aus dem Klin­gen­ber­ger Ton­werk, das sich seit Mitte des 19. Jahr­hun­derts im Besitz der baye­ri­schen Stadt Klin­gen­berg am Main befindet.

Der in 70 Metern Tiefe abge­baute, hell- bis dun­kel­graue und 30 Mil­lio­nen Jahre alte Ton wird mit dem Ton­ho­bel zu Schnit­zeln zer­klei­nert. Diese kom­men zur Trock­nung in die gas­gefeuerte Tro­cken­trom­mel; das dar­aus erzeugte Gra­nu­lat wird dann in einer Prall­mühle zu Mehl verarbeitet.

Der Klin­gen­ber­ger Ton ist äußerst gleich- und klein­kör­nig, denn 85 bis 98 Gew.-% haben eine Par­ti­kel­größe von unter 0,2 μm; die spe­zi­fi­sche Ober­flä­che von einem Gramm beträgt 64 m² (!). Dar­über hin­aus ver­fügt er über eine sehr gute Bin­de­fä­hig­keit mit Gra­phit, was ihn zu einem her­vor­ra­gen­den Blei­stift­ton macht.

Vie­len Dank an das Klin­gen­ber­ger Ton­werk für die rasche und freund­li­che Zusen­dung der Roh­ton­bro­cken und des inter­es­san­ten Informationsmaterials!

Nach­trag vom 10.1.12: Das Ton­werk wurde Ende 2011 geschlos­sen.

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